Waldhaus FUN Triathlon Team Kathrin Markus Thomas Michaela Waldhaus FUN

70.3 Challenge France - Niederbronn les Bains en Alsace - 2008

 

Als mir mein Arbeitskollege Simon Mitte 2007 erzählte, dass er auf seinem regelmäßigen Heimweg ins gute alte Saarland ein Plakat von einer Challenge France gesehen hatte, hat es wenig Überredungskunst gebraucht mich für den Start zu motivieren. Schließlich gehören die Veranstaltungen der Challenge Serie zu den am besten Organisierten überhaupt.

Ein Blick ins Internet verriet mir dann die Details:

1900m Schwimmen im See von Mouterhouse
90km auf dem Rad mit knapp 600Hm
21km Laufen mit nochmals knapp 500Hm

Mein erster Gedanke: "Hört sich knackig an".

Durch meine MTB-Vergangenheit war ich mir sicher die Radstrecke im Griff zu haben und beim Schwimmen vertraute ich wie immer meiner persönlichen Trainerin und Freundin Kathrin. Das Laufen machte mir allerdings wie immer leichte Kopfschmerzen. Man sagt nicht umsonst jeder Triathlet hat zwei starke Disziplinen... Bei mir gehört Laufen sicherlich nicht dazu.

Was die Unterkunft vor Ort betraf habe ich mich voll und ganz auf Simon verlassen. Und das war auch gut so. Als Kathrin und ich am Samstag in Niederbronn ankamen konnten wir feststellen, dass unser Zimmer quasi direkt neben der Laufstrecke und somit einen Steinwurf vom Ziel entfernt war. Rrrrrespekt, gute Zimmerwahl!

Das Auto mit viel Mühe in ein Mauseloch eingeparkt stellten wir unser Gepäck ins Zimmer und machten uns dann auch schon auf den Weg die Startunterlagen abzuholen. Simon, der bereits einen Tag zuvor angereist war, hatte sämtliche Anlaufstellen schon abgeklappert und konnte mir helfen meine Sprachbarrieren zu überwinden.

Ein besonderer Leckerbissen war das Briefing in der Stadthalle Niederbronn. Es mag daran liegen dass mein Wortschatz außer "Baguette" nicht viele Wörter auf Französisch besitzt, aber die Übersetzung war eine Katastrophe. Ich denke dass man bei solch einem Event einen Dolmetscher einsetzen sollte, dem die Materie Triathlon nicht völlig fremd ist. Es führt einfach zu Verwirrungen wenn selbst dem Übersetzer nicht klar ist, ob man jetzt nach der 2. oder nach der 3. schwarzen Karte disqualifiziert ist. Aber noch schlimmer als die konfusen Aussagen über die Strafzeiten war die Information, dass das Wasser max. 14° Celsius warm sei. Gott Lobe den Erfinder des Neo.

                                                                                    AWechselzone 1m späten Mittag fuhren wir dann zum See um unsere Räder einzuchecken und die Wechselbeutel abzugeben. Es ist doch immer wieder erstaunlich, was manche Teilnehmer für ihre Räder ausgeben. Da steht der 119kg schwere Sparkassendirektor mit seinem Cervello Vollcarbon und Scheibenrad in der Schlange und ist schon fast in Atemnot, nur weil der Weg zur Wechselzone über hohes Gras führt. Aber auch das Gegenteil ist vertreten: 80kg reine Muskelmasse, jede Ader am Körper deutlich direkt sichtbar bis an die Oberfläche geführt, in Begleitung seines 15 Jahre alten Marin Mountainbikes mit Vollguss-Rahmen und Nabenschaltung. Man macht sich zwar seine Gedanken, aber schließlich ist es das Hobby jedes einzelnen und wieso nicht zeigen wenn es einem gut geht. Abgerechnet wird letzten Endes im Ziel....

Simon, der im Vorfeld sowohl die Radstrecke als auch die Laufstrecke schon inspiziert hatte, fuhr mit uns auf dem Rückweg noch den ersten Anstieg der Radstrecke ab. Gute Idee.

Am Abend im Hotel auch wie immer ein Highlight, das Posen der einzelnen Athleten (oder die die es gerne wären)! Wieso nicht mal im Einteiler zum Abendessen gehen, sieht doch prima aus...
Noch einmal die Kohlehydratspeicher bis an die Kotzgrenze aufgefüllt ging es dann bei Zeiten ab ins Bettchen. Kathrin hat mir noch einmal die Beine locker massiert und ich schlief mit dem typischen Gefühl zu wenig trainiert zu haben gut ein.

Gut ausgeschlafen gingen wir am nächsten Morgen zum Frühstück. Hier die obligatorische Weißbrotschnitte mit Honig eingeschoben, eine Flasche Wasser dazu und zwei Bananen reingepresst. Das muss reichen.

Wir fuhren zum Start. Dadurch, dass die Zufahrtstraße zum See auch gleichzeitig ein Teil der Radstrecke war, mussten wir schon zwei Stunden vor dem Start dort sein. Das macht die Zeit vor dem Start allerdings auch nicht wirklich entspannter. Michaela und Thomas, die zur lautstarken Unterstützung an den See kommen wollten, blieb somit nur die Möglichkeit, das Rennen ab der Radstrecke zu verfolgen.

Auch erwähnenswert ist die Startreihenfolge. Die Franzosen besitzen ja bekanntlich einen ausgeprägten Nationalstolz. Dies war auch hier wieder einmal deutlich zu erkennen:


SchwimmstartStartblock 1: Profis, Frauen und handicappt Sportler
Startblock 2: französische Männer
Startblock 3: ausländische Männer

Vielleicht lag es daran, dass die Übersetzung "ausländische Männer" wohl vom gleichen Dolmetscher wie das Briefing war, aber alleine der Name war ein Running Gag im gesamten "ausländischen Starterfeld".

Dann der Weg zum Wasser. Es ging in engen Serpentinen hinter zum See. Das Tempo wurde auf Druck der Helfer massiv erhöht. Kaum war der letzte Starter im Wasser kam auch schon der Startschuss.

Die ersten paar Meter waren hart. Ich hatte mich recht weit vorne eingereiht und kassierte dementsprechend auch viele Backpfeifen. Das Tempo war von Beginn an sehr hoch und ich schwamm die ersten 200m im 2er Atmung. Irgendwann dachte ich mir entweder kommst du jetzt in deinen gewohnten Rhythmus und teilst auch aus oder du wirst durchgereicht. Und plötzlich fand ich meine 3er Atmung ich konnte mich Stück für Stück nach vorne tasten.

Beim Wendepunkt, bei dem man über eine Sandbank laufen musste, konnte ich einen ersten zuverlässigen Blick riskieren. Ui, sieht ja gut aus. Noch genügend vor mir aber deutlich mehr hinter mir. Bis hin zum Ausstieg aus dem Wasser hatte ich mich bereits an einigen französischen Männern vorbeigekämpft und kam mit stolzen 29m51s aus dem Wasser. Kathrin und Imola feuerten mich lautstark an und ich lief rüber in die erste Wechselzone.

Auf dem Rad merkte ich, dass das Training gut angeschlagen hatte. Meine Beine waren top und ich konnte bis zur ersten steilen Rampe, die wir am Vortag besichtigt hatten, voll durchziehen. An der Rampe das Tempo kurz rausgenommen und dann wieder alle 10 Zehen aufs Pedal gepresst. Meine Beine fühlten sich super an und ich konnte auch hier deutlich mehr Fahrer überholen als mich überholten.

Etwas erstaunt war ich von dem Verhalten der Schiedsrichter. Diese konnten ihre Sympathie für die eigenen Landsleute definitiv nicht verbergen. Da einige Franzosen das Radfahren anscheinend für eine Etappe der Tour de France hielten, wurde dementsprechend gelutscht was das Material her gibt. So etwas hab ich noch nicht erlebt. Da musste man sich schon fast entschuldigen wenn man sich links an einem Pulk vorbeipressen wollte. Da waren wirklich kleine Gruppen mit 15-20 Fahrern die den belgischen Kreisel in Perfektion beherrschten. Dass die Schiedsrichter nicht noch Tipps zum kraftsparenden Windschattenfahren gaben, war alles. Ich zumindest habe nie mitbekommen, dass ein Franzose eine schwarze Karte bekommen hat. Auf dem Auge waren die Schiedsrichter scheinbar blind.

Dass das aber nicht bei allen Fahrern der Fall ist, musste ich am eigenen Leib erfahren. Bei einer Abfahrt wollte ich eine der oben genannten Peletons überholen und habe auf Grund von Platzmangel die Mittellinie um 10cm überschritten. Da kommt von hinten schon der Schiri auf seinem Quad (natürlich ein Franzose), pfeift seine Lunge 2x komplett leer und droht mir auf französisch eine Disqualifikation an, wenn ich die Mittellinie noch einmal überschreite. Hallo? Grundregel der Physik: Aktion-Reaktion. Dass deine Kollegen hier ein Mannschaftszeitfahren veranstalten ist dir wohl egal, oder...?

Da ein Athlet in solchen Fällen bei einer Diskussion immer den Kürzeren zieht und man sich immer zwei mal im Leben trifft, hab ich versucht, meine Wut aufs Pedal zu bringen und freundlich abgenickt. Gut, dass man Gedanken nicht hören kann.

Zum Schluss ging es unter einer mir bis dahin unerklärbaren Konstruktion hindurch und dann die letzten 3km nur bergab. Noch einen kurzen Blick auf den Tacho - 33er Schnitt - in Anbetracht der Strecke war ich recht zufrieden damit.

In der zweiten Wechselzone wurde von den Helfern das Rad sofort entgegengenommen und ich fand meinen Wechselbeutel auch ohne große Verzögerung. Noch kurz was getrunken, ein PowerGel reingefeuert und weiter geht's.

Dachte ich zumindest.... Oha.... Meine Beine waren komplett außer Betrieb. Die hatten wohl gedacht hier ist Ziel.... Ich weiß zwar, dass mein Körper beim Wechsel vom Radfahren zum Laufen immer 1-2km braucht, aber das fühlt sich normalerweise trotzdem etwas anders an. Man versucht sich solche Momente ja immer schön zu reden und denkt sich, vielleicht wird das ja noch... Es wurde auch noch, und zwar schlimmer. Es ging über eine Treppe weiter Richtung Steigung. Es galt zwei Runden mit je 10,5km und knapp 250Hm zu absolvieren.

Oben an der Treppe standen Michaela und Thomas und feuerten mich an als würde es keinen Morgen mehr geben. Aber ich merkte schon, das wird richtig hart. Ich weiß zwar dass Laufen meine schwächste Disziplin ist, aber das hatte ich trotzdem nicht erwartet. Ich verlor Platz um Platz und ich weiß nicht was mehr schmerzte: meine Beine oder die ständigen Überholmanöver.

Nach knapp 2/3 der ersten Runde löste sich dann auch das Geheimnis der ominösen Konstruktion. Es handelte sich um eine provisorische Brücke, die von den Läufern zur Überquerung der Radstrecke benutzt wurde. Dazu muss man sagen, dass man sich die Brücke wie ein Quadrat vorstellen kann. Es ging auf 2m Breite knapp 2m in die Höhe, und das sowohl hoch wie auch runter. Ich weiß nicht mehr was schlimmer war, das Hoch- oder das Hinunterlaufen. Dementsprechend schwach war dann auch meine Laufzeit.

Im Ziel angekommen war ich erst einmal glücklich und zufrieden, meine erste Halbdistanz geschafft zu haben. Nicht zu vergessen wäre auch, das in meinen Augen bisher reichhaltigste Angebot an kostenloser Verpflegung, das ich jemals erlebt habe. Hier blieben wirklich keine Wünsch offen. Pasta, Obst, Brot, Pizza... alles war reichlich vorhanden.

Als ich Tage später las, dass so mancher Profi die Strecke als extrem schwer kommentierte, war das fast schon wie Balsam für mein Ego.

 

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