Halbmarathon Bräunlingen 2008
Obwohl ich schon immer sehr gerne und mit einer gewissen Regelmäßigkeit gelaufen bin, hatte ich mich trotzdem nie an einen Laufwettkampf herangetraut. Vielleicht war es die Angst, im Vergleich mit den anderen schlecht abzuschneiden, vielleicht aber auch die Befürchtung, an Erfolge aus anderen Sportarten nicht anknüpfen zu können, oder möglicherweise auch die Vorahnung, dass für die Lauf-Wettkampf-Vorbereitung ein spontanes "heute habe ich total Lust, zu laufen" einem "ich muss ja heute schon wieder laufen" weichen müsste. Mit dem Hauptargument, in mein Training eine neue Struktur bringen und endlich wieder ein Ziel haben zu wollen, entschied ich mich schließlich dafür, am 12.Oktober 2008 in Bräunlingen im Schwarzwald einen Halbmarathon zu laufen.
Die Vorbereitung
Die Vorbereitung für diesen Halbmarathon begann ich ca. 10 bis 12 Wochen vorher und sie machte mir im Großen und Ganzen sehr viel Spaß. Kombiniert mit ein paar Schwimm- und Krafttrainingseinheiten lief ich ca. 4mal pro Woche und nutzte unter exakter Berechnung der Laufstrecke über die Seite www.meinsportplatz.de Freiburgs großartiges Angebot an Wald-, Asphalt- und Höhenwegen.
Die Laufeinheiten beinhalteten nicht nur lange, langsame (19-30km) und lockere, mittellange Einheiten (10-14km), sondern auch Läufe, deren Schwerpunkt auf Fahrtspiel, Intervallen, oder Sprints lag. Kombiniert mit oben erwähnten Schwimm- und Krafttrainingseinheiten also ein sehr abwechslungsreiches und sinnvolles Training.
Vor dem Lauf
Obwohl mich schon Tage vorher sehr viele Leute fragten, ob ich aufgeregt sei, oder wie es mir gehe, muss ich definitiv festhalten, dass ich bis kurz vor dem Start nicht aufgeregt war. Warum auch? Mein Freund war dabei, um mich evtl. dabei zu unterstützen, meinen inneren Schweinehund zu überwinden falls die Beine schwer wurden, die Vorbereitung lief alles in allem ganz gut und mehr als laufen konnte ich nun mal nicht. Also freute ich mich auf Sonntag und nun war der große Tag da.
Um ca. 7:30 Uhr fuhren wir in Freiburg los, um stressfrei noch vor dem Start die Startunterlagen abholen, uns aufwärmen und alles vorbereiten zu können. Ich war bereits um 6:15 Uhr aufgestanden, um meinen momentanen Schlaf-Wachrythmus nicht durcheinander zu bringen und um noch frühstücken und verdauen zu können. Nach 2 mit Honig und Marmelade belegten Ciabatta-Brötchen, einer Kiwi, einer Banane und einer Tasse Kaffee klappte auch die Verdauung ganz wunderbar, wir saßen bereits im Auto und das Navi sagte uns, wir würden so gegen 8:20 Uhr in Bräunlingen ankommen. Wunderbar, nur sollte es noch ein bisschen wärmer werden, denn ein Blick auf das Thermometer erschreckte uns mit 1,5 Grad Celsius und Glatteis-Warnung.
Während der Fahrt ging mir nochmals durch den Kopf, warum ich mich die letzten 2 Wochen der Vorbereitung so kaputt und richtig krank fühlte. Ich hatte in der vergangenen Zeit sehr oft Kopf- und Magenweh und es gab keinen offensichtlichen Grund dafür. Da die Grübelei aber zu keinem Ergebnis führte, legte ich die Gedanken beiseite und freute mich auf den Wettkampf.
Endlich in Bräunlingen angekommen, ergatterten wir glücklicherweise noch einen der vorderen Parkplätze, trafen einen Bekannten aus dem Fitness-Studio und holten gemütlich unsere Startunterlagen ab. Nachdem wir die Startnummern angebracht, uns eingelaufen hatten und bereits zum zweiten Mal auf der Toilette - erstaunlicherweise war die Schlange vor der Männertoilette fast länger als bei den Frauen - waren, stellten wir uns auf.
In wenigen Sekunden sollte es losgehen und unser Galgenhumor verschaffte uns gleich ringsum Freunde.
Der Startschuss
Wahnsinn, es ging los! Der Startschuss war gefallen - aber wieso läuft denn niemand? Wir hatten und gemäß unserer Meldezeit eingereiht und standen nun immer noch dort. Klar! Erstmal mussten die Ersten loslaufen und jeder wollte sich natürlich ein bisschen Platz zum Vordermann verschaffen. Und siehe da - schon ging es auch bei uns los.
Die Atmosphäre in Bräunlingen war toll - Menschen jeden Alters jubelten, die orts-eigene Guggamusik-Kapelle sorgte gleich anfangs für den richtigen Laufrhythmus und auch die Läufer untereinander schienen sehr fair zu sein.
Die ersten 7km ging es nur bergauf - nicht sehr steil, aber dafür stetig. Ich laufe generell sehr gerne und viel am Berg und so konnten wir am Anfang noch sehr viele der anderen Läufer überholen. Mittlerweile schien die Sonne immer stärker und die Gefriergrade vom Morgen waren bei nun sonnigen 15 Grad Celsius so gut wie vergessen.

So wenig ich damit gerechnet hatte, aber die Höhenmeter machten mir heute sehr zu schaffen. Ich wurde von immer mehr Leuten überholt und Markus musste sich sehr oft zurückfallen lassen, um wieder mit mir auf einer Höhe zu sein. Das brachte ihm einige sehr spitze Kommentare meinerseits ein, für die ich mich in weiser Vorahnung bereits im Vorfeld entschuldigt habe, die aber nicht hätten sein müssen. Ich ärgerte mich immer mehr über mich selbst - denn irgendetwas schien ich im Training falsch gemacht zu haben. Wieso knabberte der Kolbenfresser immer mehr an mir? War es, weil ich mich schon 2 Wochen vorher immer krank und schlapp fühlte? Hatte ich schlecht, zuviel oder zu wenig trainiert, oder gar falsch gegessen? Oder lag es vielleicht an den 2 Aspirin-Tabletten, die ich morgens nach dem Frühstück noch einnahm, da ich wieder einmal Kopfschmerzen hatte? Ich weiß es immer noch nicht.
Kurz vor der Halbzeit wurde das Profil dann sehr wellig, was das Ganze nicht weniger anstrengend machte. Immerhin liefen wir jetzt im Wald und nicht wie die ersten 8km an der prallen Sonne.
Endlich hatten wir die 11km-Marke erreicht und auch hier standen, wie so oft vorher, kleine Häufchen Menschen, die uns mit Rätschen, Pfeifen oder Zurufen sehr nett anfeuerten.

Leider ließ sich mein Kolbenfresser dadurch nicht vertreiben, aber die letzten 10km sollten hauptsächlich bergab gehen - daraus schöpfte ich Hoffnung. Immer mehr Leute überholten mich und meinem Ego hat das, ehrlich gesagt, nicht so gut gefallen. Ich versuchte, dran zu bleiben, aber es war sehr schwer. Als wir endlich bei km 18 waren und man Bräunlingen schon erkennen konnte, dachte ich: jetzt nur noch durchhalten. Denn mein Ziel, den Halbmarathon durchzuhalten, wollte ich unbedingt erreichen. Natürlich wäre es fantastisch gewesen, ich hätte die 21,1km unter 2 Stunden geschafft, aber spätestens nach 10km war mir klar, dass dieses Ziel nicht am heutigen Tag gelten sollte. Wir liefen nun wieder durch die ersten Straßen von Bräunlingen und sehr freundliche Menschen säumten den Weg, um uns den "Endspurt" zu erleichtern. Wir spurteten am Schluss tatsächlich noch ein kleines Stück und so liefen wir nach 2 Stunde, 7 Minuten und 31 Sekunden durchs Ziel.
Gleich nach der Ziellinie wurden wir mit einer Medaille, Bananen, Getränken, Speck und Süßigkeiten versorgt und auch, als wir unseren Chip abgaben und unsere Urkunde bekamen, lief alles reibungslos.
Ich war zwar total erledigt und geschafft, aber trotzdem zufrieden und glücklich, gut im Ziel angekommen zu sein und diese toll organisierte und von den Zuschauern phänomenal unterstützte Veranstaltung miterlebt zu haben.
Bis nächstes Jahr, Bräunlingen, wenn ich es sage - wir kommen wieder, keine Frage!