Welches Fahrrad ist das Richtige

Zeitfahrmaschine oder normales Rennrad?
Ich denke diese Frage stellt man sich nur wenn man am Anfang seiner Triathlon Karriere steht. Im Laufe der Zeit beantwortet sich die Frage spätestens dann, wenn man auf der Radstrecke das Gefühl hat, die anderen fahren mit SuperPlus und man selber tankt irgendeine Billigmischung. Immerhin ist das Radfahren im Verhältnis zum Rest die Disziplin, mit der höchsten Gewichtung und entscheidet nicht selten über Top oder Flop...
Aber fangen wir vorne an:
Kaum aus dem Wasser beginnt beim Triathlon die eigentlich Arbeitzeit der Beine. Beim Schwimmen noch im Schleppschlag auf Standgas gehalten, wird auf dem Weg zur ersten Wechselzone der Schub langsam aufgedreht. Da die Arme bzw. der Oberkörper vom Schwimmen erschöpft ist, hat das Zeitfahrrad mit Aerolenker bereits seinen ersten Vorteil: man kann die Ellenbogen aufstützen und den Oberkörper auflegen. Das hört sich jetzt banal an, ist aber ein nicht zu unterschätzender Vorteil, vor allem ab Mitteldistanzen aufwärts. Der Kraftaufwand für die Oberkörperstabilisierung entfällt wird somit auf ein Minimum reduziert.
Ein weiterer Vorteil: Im Vergleich zum herkömmlichen Rennrad, wo ca. 70% des Körpergewichtes HINTER dem Tretlager sind, befinden sich beim Zeitfahrrad ca. 70% des Körpergewichtes VOR dem Tretlager. Der Körper wird quasi zwischen Sattel und Lenker eingeklemmt. Dies hat den Vorteil, dass mehr Druck aufgebaut werden kann und vor allem eine andere Muskulatur beansprucht wird. Dies wiederum macht sich beim anschließenden Laufen bezahlt.
Im Gegensatz zum Mountainbike, wo jedes Gramm Ersparnis am Berg direkt spürbar ist, gilt es beim Triathlonrad vielmehr das Augenmerk auf die Aerodynamik und Detailoptimierung zu legen. Entscheidend hierfür sind natürlich nicht nur eine aerodynamische Sitzposition, sondern vor allem auch Aerolaufräder, Aerolenker, Sattel, Pedale, Trinksysteme und viele kleine Punkte die in der Summe einen nicht zu verdrängenden Stellenwert besitzen!
Die Laufräder:
Die Laufräder gehören meiner Meinung nach mit zu den wichtigsten Komponenten. Rein physikalisch gesehen sind sie nichts anderes als eine rotierende Masse. Jeder kennt das Prinzip der Reibung: je rauer der Untergrund desto größer die Reibung desto größer der Verlust desto schlechter der Wirkungsgrad. So ähnlich verhält es sich bei den Laufrädern und der Massenträgheit. Je größer eine Masse, desto mehr Kraft muss investiert werden um die Masse in Bewegung zu setzen.
Dies gilt zumindest für Rennen mit engen Kurven und Beschleunigungspassagen sowie bei Strecken mit vielen Höhenmetern. Auf langen Rollerstrecken entscheidet die Aerodynamik über den Wirkungsgrad, also über Brutto und Netto der eingesetzten Kraft. Je weniger Verwirbelungen, desto mehr Kraft kann in Bewegung umgewandelt werden. Die Einflüsse der Aerodynamik nehmen mit steigender Geschwindigkeit deutlich zu. So kann ein guter Radfahrer mit entsprechenden Laufrädern bei einer Halbdistanz locker 3-5min. gewinnen oder verlieren.
Meiner Meinung nach sollte man sich allerdings erst bei einem Schnitt deutlich über 30km/h über die Investition sündhaft teurer Laufräder Gedanken machen. Bei einem Schnitt unter 30km/h ist der Zeitgewinn nicht mehr so signifikant messbar.
Noch nie war die Hemmschwelle, einige hundert Euros für die Anschaffung solcher Laufräder auszugeben, so niedrig wie heutzutage. Und das obwohl jeder immer nur vom Sparen redet. Aber mal abgesehen vom evtl. Zeitgewinn, Aerolaufräder sehen einfach geil aus und gehören in das Handgepäck eines jeden ambitionierten Triathleten.
Was sind schon 1000Euro? Für einen Nicht-Triathleten bestimmt ein schöner Urlaub, die Anzahlung für das nächste Auto oder ein weiteres Stück für das Puzzle vom Eigenheim. Für einen Triathleten sind 1000Euro ein langersehnter Schritt in die Gemeinde der Materialfetischisten, die Anzahlung für seine ersten ZIPP Laufräder, sein HED3 Carbonpropeller oder einfach nur das Aufwiegen der 1000Euro in lupenreines Carbon.
Aber welche Laufräder sind ihren wahnsinns Preis wirklich wert? So eine Frage kann wenn überhaupt nur ein Triathlet beantworten und selbst dann erhält man von drei Befragten garantiert vier verschieden Antworten. Welchen Laufrädern vertraut man sein Leben an? HED3? Xentis? ZIPP? Lightweight oder doch lieber Easton und Mavic?


HED3 bzw. HED 60/90 stehen beim Preis-Leistung Vergleich bestimmt ganz weit oben. Sowohl optisch als auch von der Aerodynamik können sie mit den Besten mithalten und das bei einem Preis pro Laufradsatz für <1000Euro.
Die Steifigkeit ist bei der JET 60/90 Variante auch ok. Das Gewicht ist eher im Mittelfeld einzuordnen.

ZIPP Laufrädern sind ganz klare Sieger in Punkto Steifigkeit. Kein Laufrad ist so unkompliziert wie das ZIPP. Egal ob 404, 606 (schneller als 404 aber windanfälliger) oder 808 (noch schneller als 606 aber auch noch windanfälliger), sie kosten für den Breitensportler einfach zu viel Geld. Bei einem Preis zwischen 1500 und 3000Euro schlägt einfach die Vernunft zu und rät zu interessanten Alternativen. Wer zu viel Geld übrig hat, der ist bei ZIPP garantiert bestens aufgehoben und wird seinen Spaß haben.

Xentis hat sehr hochwertige und optisch ansprechende 4 Arm Laufräder. Auch preislich für knapp 800Euro pro Laufrad im Bereich des möglichen. Sie gehören ohne Zweifel mit zu den Schnellsten, sind aber auch extrem Seitenwind anfällig.

Lightweight Laufräder sind extrem leicht und trotzdem gehören sie zu den Testsiegern in Punkto Steifigkeit. Preislich allerdings wie ZIPP am Ende der Nahrungskette. Wer Geld investieren möchte und nichts gegen lange Lieferzeiten hat, der kann sich sicher sein, für sein Geld ein echtes Schmankerl zu kriegen.

Scheibenräder lohnen sich meiner Meinung nach nur bei Langdistanzen. Sie galten früher als das non plus ultra was Aerodynamik betrifft. Neueste Messungen im Windkanal widerlegen diese Theorie. Zumindest weisen Laufräder mit entsprechend hohen Flanken (>60mm) ähnlich gute Eigenschaften auf und sind bei weitem nicht so Seitenwind anfällig. Preislich liegen sie eher im mittleren Bereich und sind daher bei langen, windfreien Rennen auf jeden Fall eine interessante Alternative.
Die Liste der Laufräder lässt sich an dieser Stelle beliebig fortsetzen. Für jeden der ernsthaft Interesse hat sich Aerolaufräder anzuschaffen empfehle ich, das Internet zu durchforsten und in entsprechenden Foren nach Erfahrungstipps zu suchen. Diese sind im Vergleich zu gängigen Zeitschriften meist ehrlicher und unter realen Bedingungen getestet.
Schlauch- oder Drahtreifen?
Diese Frage muss jeder für sich beantworten. In meinen Augen halten sich die Vor- und Nachteile beider Varianten die Waage. Schlauchreifen haben einen geringeren Rollwiderstand und können mit mehr Druck gefahren werden (bis 15bar). Drahtreifen sind dafür günstiger und besitzen eine höhere Pannensicherheit. Mein Favorit ist momentan der Michelin Pro3Race. Er bietet meiner Meinung nach den Besten Kompromiss bei Drahtreifen zwischen Rollwiderstand und Pannensicherheit. Eines steht fest: da geklebt, ist mit einem Platten im Wettkampf das Rennen für einen Schlauchreifen beendet.
Als Fazit lässt sich festhalten: mit sinkendem Rollwiderstand steigt das Pannenrisiko!
Aerolenker :
Nicht jeder hat Aerolaufräder, nicht jeder besitzt einen Neo oder drei paar Laufschuhe, aber am Aerolenker kommt wohl kein Triathlet dran vorbei. Der Gewinn an Aerodynamik gepaart mit geiler Optik und Rückenschmerzen ist einfach zu verlockend. Wobei fairerweise zu sagen wäre, dass die Rückenschmerzen nicht von Dauer sind und nur dem noch ungeübten Fahrer Sorge bereiten.
Mein Favorit sind die Vision Lenker. Sie sind beim Preis-Leistungsvergleich unschlagbar und sehen zudem noch geil aus. Ob Carbon oder Alu muss jeder für sich entscheiden. Da ich mit meinem Gewicht nicht unbedingt zur Fliegenklasse gehöre, vertraue ich auf Alu. Persönlich fahre ich Aerolenker mit Lenkerendschalthebel. Sie erlauben ein angenehmes schalten ohne die Arme von den Pads zu nehmen. Ist bestimmt wie so vieles Geschmacksache, und über Geschmack lässt sich ja bekanntlich nicht streiten...
Sattel :
Da Gott jedem von uns einen anderen Hintern gegeben hat ist es sehr schwer, hier Tipps zu geben. Manch einer wird mir zustimmen, ein anderer ohne Verständnis mit dem Kopf schütteln. Ich selbst habe auf dem Zeitfahrrad den Selle Italia SLR TT montiert und bin sehr zufrieden. Beim Mountainbike schwöre ich auf den Selle Italia SLR. Ansonsten bleibt nur ausprobieren!
Pedale:
Pedalsysteme gibt es bestimmt so viele wie Trainingskilometer an einem schönen Sommertag. Hier scheiden sich wie immer die Geister. Meiner Meinung nach entscheiden hier vor allem die anatomischen Voraussetzungen eines jeden einzelnen.
Wer prinzipiell mit Kniebeschwerden kämpft, der sollte ein Pedalsystem mit einstellbarem Spiel verwenden. Hier kann über eine Schraube die gewünschte Flexibilität eingestellt werden. Pedale ohne Spiel können bei bereits bekannten Knieproblemen diese auf Dauer verschlimmern, da das Knie in seiner Bewegung eingeschränkt wird.
Look z.B. ist ein Hersteller der solche Systeme anbietet. Wichtig ist auch die Größe der Auflagefläche. Das Empfinden ist zwar wie so oft ein subjektives Gefühl, aber viele Empfinden mehr Auflagefläche als angenehmer.
Ich persönlich sehe das nicht so. Druck ist zwar rein technisch gesehen Kraft x Fläche, aber eine steife Sohle absorbiert den entstehenden Druck mehr als ausreichend. Ein Pedal sollte man daher vor dem Kauf nach Möglichkeit testen.
Gruppe:
"Welche Gruppe brauche ich?"
Diese Frage lässt sich ebenso beantworten wie "wie viel PS braucht mein Auto?" Eines der wichtigsten Argumente ist wie immer der Preis. Ob nun die 105 (vergleichbar mit LX beim MTB), ULTEGRA (vergleichbar XT) oder DURA ACE (vergleichbar XTR), fahren tun sie alle einwandfrei.
Wie immer gilt sich selber zu fragen, will ich eine leichte Gruppe, eine stabile Gruppe, eine billige Gruppe oder einen Kompromiss. Wer seinem Rad etwas Gutes tun möchte und nicht auf jeden Euro schauen muss der ist mit der DURA ACE Gruppe von Shimano bestimmt perfekt ausgerüstet. Im Vergleich zu XTR ist sie im Verhältnis auch nicht ganz so teuer und eigenen Erfahrungen zu Folge extrem wartungsarm.
Ich kenne aber auch viele Radamateure, die seit Jahren mit einer ULTEGRA unterwegs sind und nichts Schlechtes zu berichten haben, und das teilweise unter härtesten Wettkampfbedingungen. Auch kann man als Einsteiger ohne schlechtes Gewissen zur 105er Gruppe greifen. Ihr seht also, welche Gruppe gefahren wird entscheidet am Ende der Geldbeutel.
Schnellspanner:
Hier führt eigentlich kein Weg an Tune vorbei. Die Edelschmiede aus Britzingen, bekannt für ihre leichten Anbauteile, hat auch hier wieder ein Meisterstück gezaubert. Die sehen nicht nur verdammt gut aus, sondern sind auch noch extrem leicht. Die zu den Laufrädern gehörigen Schnellspanner tuns aber natürlich auch. Dient natürlich nur der örtlichen Konjunktur...
Trinksysteme:
Neben den normalen Flaschen ist für eine Langdistanz auf jeden Fall eine Aerobottle zu empfehlen. Erstens kann man so trinken ohne die Aeroposition zu verlassen, zweitens erinnert einen die Flasche im Blickfeld ständig daran zu trinken. Für kürzere Dinstanzen würde ich zwei normale Flaschenhalter empfehlen. Die meisten Veranstalter bieten auf der Radstracke Tauschflaschen an - alt gegen neu-. Ärgerlich nur wenn man dann seine teure, konische Tune-Flasche ohne Rückfahrkarte abgibt. Daher hier der Tipp ausnahmsweise nicht die örtliche Wirtschaft zu fördern und einen Flaschenhalter für normale Trinkflaschen zu verwenden.